Was ich aus Disruption gelernt habe
Technologische Disruption wird fast immer unterschätzt – nicht, weil Informationen fehlen, sondern weil bestehende Geschäftsmodelle zu lange als stabil angenommen werden. Viele kennen die Beispiele von Kodak oder Nokia. Ich habe das selbst erlebt.
Zu Beginn der 2000er Jahre war ich in einer Managementrolle in der Telekom Austria AG tätig und verantwortete unter anderem den B2B-Bereich. Mit der Liberalisierung des Marktes entstand erstmals echter Wettbewerb. Im Privatkundenbereich gingen Gesprächsminuten verloren, neue Anbieter gewannen Marktanteile und der Druck auf das bestehende Geschäftsmodell nahm spürbar zu.
Gleichzeitig waren wir überzeugt, dass unser B2B-Geschäft stabil bleiben würde. Unsere Annahme war klar: Mobilfunk wird im Unternehmensumfeld keine zentrale Rolle spielen. Klassische Festnetztelefonie bleibt dominant.
Diese Einschätzung war falsch.
Die Entwicklung hin zu mobilem Arbeiten, Smartphones und IP-basierter Kommunikation verlief deutlich schneller als erwartet. Was als Ergänzung gesehen wurde, wurde in kurzer Zeit zum Standard. Klassische Festnetztelefonie ist heute praktisch verschwunden.
Diese Erfahrung prägt meine Arbeit bis heute.
Technologische Umbrüche verlaufen selten linear. Sie beschleunigen sich und treffen Organisationen oft unvorbereitet. Genau diese Muster sehe ich heute bei AI und digitalen Plattformen.
Ich unterstütze Boards, Vorstände und Gründer dabei, solche Entwicklungen realistisch einzuordnen, Annahmen zu hinterfragen und Entscheidungen auf eine belastbare Grundlage zu stellen.
Disruption lässt sich nicht verhindern – aber besser verstehen und steuern.